Salz und Sole: Gesundheitsurlaub im Ruhrgebiet

Im Herzen des Ruhrgebiets, einem einstigen Zentrum der industriellen Revolution, verbirgt sich eine häufig unbekannte Geschichte über Salz und Sole. Diese Geschichte des Abbaus und der Nutzung des Salzes erstreckt sich über Jahrhunderte und hat sowohl wirtschaftliche als auch kulturelle Spuren hinterlassen.

An dieser Stelle wird die Entwicklung der Salzgewinnung im Ruhrgebiet und in der Umgebung näher vorgestellt. Danach werden besondere Kurorte oder Kuranlagen näher vorgestellt oder zu ausführlicheren Artikeln darüber verlinkt.

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Die Salzvorkommen verteilen sich auf unterschiedliche Weise. Zum einen findet man im Westen das Mineral in Form von Steinsalz im Bereich des Niederrheins, wo es unterirdisch in großen Lagerstätten ruht. In Rheinberg am Niederrhein befindet sich mit fast 90 Quadratkilometern Fläche das größte unterirdische Salzbergwerk Europas.

Zum anderen gibt es natürliche Solequellen, die sich rund um das Münsterland erstrecken und – im Bereich des östlichen Ruhrgebiets und am Hellweg – den Höhenzug Haarstrang bei Unna und Hamm begleiten. Die Karte stellt dies schematisiert dar und zeigt die grobe Lage ausgewählter Sole- oder Mineralheilbäder in NRW.

Übersichtskarte Sole und Salz in NRW

Solequellen am Hellweg, dem Salzweg

Entlang des Hellwegs, einer historischen Handelsroute, die einst das Zentrum des Salzhandels im mittelalterlichen Europa war, finden sich zahlreiche Kurbäder und Solequellen. Orte wie Bad Sassendorf, Bad Westernkotten oder Bad Waldliesborn sind bekannt für ihre heilenden Quellen und ihre lange Tradition als Kurorte. Aber auch im Norden und teilweise schon in Niedersachsen in Orten wie Bad Iburg, Bad Laer, Bad Oeynhausen und Bad Salzuflen spielen Solequellen eine wichtige Rolle im Gesundheitstourismus.

Der Hellweg, dessen Name sich vom keltischen Wort „hal“ für Salz ableiten könnte, war einst die Hauptverkehrsader für den Transport von Salz zum Rhein und in den Osten Europas. Heute folgt die Bundesstraße 1, die ehemalige Reichsstraße 1, den Spuren dieser historischen Handelsroute und erinnert an die Bedeutung des Salzes für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Es gibt übrigens weitere Deutungen zur Benennung dieser Straße. Als Heller Weg könnte eine Straße bezeichnet sein, die durch eine extra breite Schneise durch den Wald verlief, um vor räuberischen Überfällen zu schützen. Dass das nicht immer funktioniert hat, könnte auch die Bezeichnung „hell“, englisch Hölle, deutlich machen. Die Buchreihe Mord am Hellweg* spielt eher mit der dunklen Seite der Region.

Dieses thematisch passende Buch empfehle ich zur Vertiefung: Sole, Salz und Wohlergehen: Kurze Geschichte der Salinen und Kurorte am Hellweg*

Salinen und Gradierwerke

Zur Herstellung von Salz wurde traditionell die Sole in flachen Pfannen verdampft. Unter Einsatz von Holz oder später Kohle wurde das Wasser erhitzt, bis es verdunstete und kristallines Salz zurückließ, das als Siedesalz bezeichnet wird und „geerntet“ werden konnte. Dieser Prozess erforderte große Mengen an Energie für vergleichsweise geringe Mengen Salz.

Um die Effizienz zu verbessern und eine Art Energieeinsparung zu betreiben, wurden als Innovation sogenannte Gradierwerke als künstliche Verdunstungsanlagen entwickelt. Diese bestanden aus Holzgerüsten, die mit Reisig-Zweigen meist vom Schwarzdorn-Busch bedeckt waren. Die Sole wurde von der Oberseite über ein System von Rinnen verteilt und sickerte dann an der Außenseite durch den Reisig nach unten. Während des Durchflusses verdunstete das Wasser, wodurch das Salz in der Sole konzentrierter wurde. Gleichzeitig blieben Verunreinigungen wie Gips und Kalk im Reisig hängen, wodurch die Sole gleichzeitig gereinigt wurde. Früher waren Gradierwerke oft Teil einer größeren Saline und erstreckten sich kilometerlang. In Unna wurden sie sogar durch Windkraft mit einer Windpumpe betrieben.

Außenansicht vom Gradierwerk Bad Sassendorf mit Sitzbänken zur Inhalation
Außenansicht vom Gradierwerk Bad Sassendorf mit Sitzbänken zur Inhalation

Die konzentriertere Sole, die durch das Gradierwerk gewonnen wurde, konnte dann weiter eingedampft werden, um das Salz zu extrahieren. Früher erfolgte dies oft in großen Verdampfungsanlagen, die aber immer noch große Mengen an Energie benötigten. Heutzutage werden jedoch moderne Technologien wie Zentrifugen eingesetzt, um den Prozess effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.

Kurbäder

Die heilende Wirkung von Salz und Sole auf den menschlichen Körper ist seit Jahrhunderten bekannt und hat zahlreiche Kurbäder hervorgebracht, insbesondere im 19. Jahrhundert. Sole, reich an Mineralien und Spurenelementen, wirkt sich positiv auf eine Vielzahl von Gesundheitsproblemen aus, darunter Atemwegs- und Hautkrankheiten, Allergien und Schlafstörungen.

Häufig findet man hier Bäder, wo man in Sole baden und entspannen kann, Salzgrotten für die Inhalation, Trinkkuren oder auch Wellness- und Entspannungsangebote mit Massagen, Saunen, Yoga oder Meditation.

Gradierwerke, einst eine wichtige Komponente der Salzgewinnung, sind heute oft mehr als touristische Attraktionen denn als industrielle Anlagen im Einsatz. Die feuchte, salzhaltige Luft, die in der Umgebung der Gradierwerke entsteht, wird als äußerst gesundheitsfördernd angesehen, insbesondere für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Hautproblemen. Während man für Bäder und Kuren meist Eintritte bezahlen muss, sind diese üblicherweise in einer Umgebung eines Kurparks frei zugänglich und somit niedrigschwellige Angebote für eigene Behandlungen.

Im östlichen Ruhrgebiet finden sich zahlreiche Gradierwerke, die sowohl als Erholungsorte als auch als Gesundheitszentren dienen. Städte wie Werne und Hamm beherbergen solche Bauten, die die heilenden Eigenschaften der salzhaltigen Luft nutzen. Doch auch außerhalb des Ruhrgebiets, in der Hellwegzone, sind Gradierwerke zu finden, etwa in Werl, Bad Sassendorf oder Bad Westernkotten. Salzkotten, Bad Sassendorf, Werl und Unna sind über die „Westfälische Salzroute“ als Radweg miteinander verbunden.

Gradierwerke und alte Kuranlagen im Ruhrgebiet und Umgebung

Folgende Orte mit dem Zusammenhang zu Sole, Kureinrichtungen und Gradierwerke existier(t)en im Ruhrgebiet oder in guter Erreichbarkeit und werden im Folgenden näher beschrieben oder verlinkt. Gradierwerke findet man – außer die kleineren Anlagen in Xanten, Duisburg und Essen – vor allem im östlichen Ruhrgebiet sowie außerhalb weiter in östlicher Richtung entlang des Hellwegs Richtung Paderborn.

Karte über Kurbäder, Solebäder, Gradierwerke und historische Salinen im Ruhrgebiet und Umgebung

Historische Kuranlagen
Kurpark Königsborn (Unna)
Solbad Centrum (Bochum)
Solb. Raffelberg (Oberhausen)
Solbad Zweckel (Gladbeck) 

Gradierwerke
Kurpark Bad Hamm (Hamm)
Bad Sassendorf
Stadtpark Werne
Kurpark Werl
Grugapark (Essen)
Kurpark Xanten
Revierpark Mattlerbusch (Duisburg)

Bad Sassendorf

Im kleinen Bad Sassendorf vor den Toren von Soest erstreckt sich der Kurpark nördlich der Gemeindemitte. Dieser Park bietet viele Besonderheiten für Besucher jeden Alters und ist ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen, Erholungssuchende und Angehörige von Patienten in den Kliniken gleichermaßen.

Ein zentraler Anziehungspunkt im Kurpark ist die Börde Therme, ein großes Thermalbad, das Erholungssuchende mit seiner Vielzahl von Wellnessangeboten lockt. Hier können Besuchende in der Salzgrotte entspannen, in der Sauna schwitzen oder einfach im warmen Thermalwasser die Seele baumeln lassen.

Gradierwerk

Ein besonderes Highlight des Kurparks ist das 2018 über dem alten Standort neu gebaute Gradierwerk. Mit seiner einzigartigen Architektur und der Möglichkeit, auf mehreren Etagen durch das Gradierwerk zu schlendern und auch den Park von oben zu betrachten, ist das Gradierwerk ein beliebter Treffpunkt für Parkbesuchende. Ein Aufzug führt auch weniger mobile Personen oder solche mit Kinderwagen in die oberen Etagen. Wer nicht hinauf möchte, kann auch einfach um das Gradierwerk spazieren oder sich auf einer freien Bank davor niederlassen und tief ein- und ausatmen. Für die Umrundung kann man durch das runde „Hobbit-Loch“ gehen, das ich bisher in der Form bei keinem anderen Gradierwerk gesehen habe.

Im Innern des Gradierwerks in Bad Sassendorf
Markanter runder Durchgang: Gradierwerk Bad Sassendorf
Außenansicht vom Gradierwerk Bad Sassendorf mit Sitzbänken zur Inhalation
Außenansicht vom Gradierwerk Bad Sassendorf mit Sitzbänken zur Inhalation

Besonders interessant für Whisky-Liebhaber ist die Tatsache, dass einige Whisky-Fässer unter dem Dach des Gradierwerks gelagert werden, wo der wertvolle Inhalt des Single Malts durch die salzige Umgebungsluft ein eigenes Aroma erhält (erhalten soll).

Teich und Rosengarten

Der Bach Rosenau durchquert den Park und mäandert durch die Wiesen. An einigen Stellen queren Brücken den Weg, aber auch Trittsteine können an verschiedenen Stellen vor allem am Spielplatz zur Überquerung genutzt werden. Am hinteren Ende erstreckt sich auch der Rosengarten in der Nähe der Klinik Lindenplatz.

Katze als Figur vorm Gradierwerk in Bad Sassendorf

Der Park bietet auch vielfältige Freizeitmöglichkeiten für Familien. Ein See mit Enten, Gänsen und Schwänen sowie eine pyramidenförmige Aussichtsterrasse laden zum Verweilen ein, während ein Spielplatz am See und Adventure-Golf für Kinder und Junggebliebene Unterhaltung bieten.

Neben der natürlichen Tierwelt beherbergt der Kurpark auch eine Vogelvoliere, in der Besucher exotische Vögel beobachten können. Ein weiteres Highlight ist das historische Fachwerkhaus Hof Hueck, das in den 1970er Jahren in Unna abgebaut und im Kurpark von Bad Sassendorf wiederaufgebaut wurde. Heute beherbergt es ein Restaurant und Hotel.

Rhododendrenwald

Direkt an den Kurpark von Bad Sassendorf schließt sich der Rhododendrenwald mit seinem dichten Wegenetz und seiner faszinierenden Pflanzenwelt der Rhododendren an.

Besonders im Frühling (je nach Witterung Ende April, Mai) entfaltet der Rhododendrenwald seine ganze Pracht, wenn zahlreiche Rhododendren in den verschiedensten Farben und Formen bunt blühen.

Der Wald beherbergt eine größere Sammlung dieser wunderschönen Pflanzen als manche Parks, für die Eintrittsgebühren erhoben werden. Hier können Besuchende die Schönheit und Vielfalt der Rhododendren kostenfrei genießen und sich an der bunten Blütenpracht erfreuen oder diese fotografieren.

Lilafarbene Rhododendrenblüten
mehrfarbige Rhododendren-Blüten

Anreise:

Mit dem Auto auf der A44 bis zur Ausfahrt 57 Soest-Ost und dort auf die B475 Richtung Soest. An der übernächsten Ausfahrt Richtung Bad Sassendorf abfahren und links auf die Paderborner Landstraße L856. An der nächsten Ampel links abbiegen und auf der Schützenstraße durch Bad Sassendorf bis zum Thermalbad fahren. Dort befindet sich ein großer Parkplatz. Er kann allerdings an Wochenenden bei schönem Wetter schnell voll sein.

Mit dem Zug von Münster, Hamm oder Soest mit der RB 89 bis Bad Sassendorf. Von dort zu Fuß zum Thermalbad und in den Kurpark.

Kurpark Königsborn

Vor allem Straßennamen wie An der Feuermaschine, An der Schwarzen Saline, Salinengraben, Wilhelmsbau oder Hinterm Gradierwerk erinnern an die Saline in Königsborn, wo sich Gradierwerke oder die Feuermaschine mit der zweiten gebauten Dampfmaschine in Preußen befanden.

Im alten Kurpark findet man das Denkmal für Friedrich Grillo vor den Siedemeisterhäusern, einen Monopteros und die Windpumpe am Friedrichsborn. Hinter dem Lebenszentrum stehen schmale Fachwerk-Reihenhäuser der Salinen-Arbeiter, sogenannte Gademen. Von den alten Gradierwerken ist hier nichts mehr zu sehen.

Ausführlich ist der Kurpark Königsborn in einem eigenen Artikel beschrieben. Dort sind auch historische Luftbilder der Gradierwerke zu finden.

Außerdem beginnt hier ein eigener Tourenvorschlag, der dem Weg des Salzes von der Saline bis zum Hafen an der Ruhr in Langschede folgt.

Bad Hamm

Eigentlich wollte man Kohle finden, ist aber auf warme Sole gestoßen. Nicht weit von der Innenstadt von Hamm entfernt entwickelte sich Bad Hamm, wo sich noch heute das Freizeitbad Maximare mit Sole- und Wellenbad sowie der Kurpark befinden. Im Kurpark lässt sich ein 40 m langes Gradierwerk besuchen. Daneben existiert noch das Kurhaus.

Gradierwerk Bad Hamm
Gradierwerk im Kurpark von Bad Hamm
Teich im Kurpark von Bad Hamm
Teich im Kurpark von Bad Hamm

Der Kurpark Hamm wird im Artikel zu den Lippeauen in Hamm näher vorgestellt. Außerdem ist er Teil einer Wanderempfehlung in Wanderungen für die Seele: Ruhrgebiet*.

Grugapark Essen

Der Grugapark im Süden von Essen ist ein beliebter Park und verbindet Botanischen Garten, Spiel- und Sporteinrichtungen miteinander. Er ist bekannt für das Hundertwasserhaus und einige Besonderheiten bei Pflanzen wie der Dahlienarena. Daneben gibt es Teiche, Tier-Volieren und einige Spielplätze. Eine Park-Eisenbahn durchquert die ausgedehnte Anlage. 

Grugapark in Essen
Im Grugapark in Essen

Zwischen Grugahalle, Orangerie und Dahlien-Arena befindet sich im Grugapark ein etwas versteckt gelegenes, etwa 30 m langes Gradierwerk in der Nähe der Grugapark-Therme.

Der Grugapark wird in einem eigenen ausführlichen Artikel beschrieben.

Solbad Zweckel

Zufällig wurde beim Teufen des Schachtes II der Zeche Zweckel eine solehaltige Quelle gefunden. In unmittelbarer Nähe zum Bergwerk hat bis in die 1950er Jahre ein Solbad existiert. Die Zeche Zweckel wird ebenfalls in einem eigenen ausführlichen Artikel beschrieben.

Solebäder bzw. Bäder oder Thermen mit Solebecken

Die folgende Übersicht beinhaltet Solebäder, Thermen oder Schwimmbäder mit einem Solebecken im Ruhrgebiet oder in unmittelbarer Nähe:

Solebad Wischlingen (Dortmund): www.wischlingen.de
Solebad Werne: www.solebad-werne.de
Niederrhein Therme Duisburg: www.niederrhein-therme.de
Lago Herne: www.gysenberg.de
Grugapark-Therme (Essen): www.grugaparktherme.de
Maximare Hamm: www.maximare.com
Freizeitbad Heveney (Witten): www.freizeitbad-heveney.de

Börde-Therme Bad Sassendorf: www.boerde-therme.de

Hinweise: das Solbad Vonderort (Oberhausen) ist geschlossen. Das Freizeitbad Heveney hat ein Sole-Becken nur im textilfreien Saunabereich. Übrige Freizeitbäder im Ruhrgebiet besitzen keinen Sole-Bereich. Keine Gewähr für Vollständigkeit.